Eichhörnchen in Not Datteln e.V. kümmert sich um kleine Wildtiere, die ohne Hilfe keine Chance hätten. Über Vest Future sammelt der Verein Spenden für eine neue Auswilderungsvoliere.
Eichhörnchen sind die unterschätzten Praktikanten der Natur. Flink, wuselig, fotogen, aber ökologisch deutlich relevanter, als ihr Image als Parkdeko mit Puschelschwanz vermuten lässt. Sie verbuddeln Haselnüsse, Walnüsse, Eicheln und Samen, vergessen einen Teil ihrer Vorräte und sorgen so dafür, dass neue Bäume wachsen. „Ein Eichhörnchen ist eigentlich ein richtiger Helfer für die Natur“, sagt Martin Hübner. Aufforstung mit ADHS, wenn man so will.
Seit 17 Jahren kümmert er sich mit dem Verein Eichhörnchen in Not Datteln e.V. um Tiere, die allein keine Chance hätten. Mehr als 2.000 verletzte, verwaiste, falsch gehaltene, zu kleine oder schwache Eichhörnchen wurden bereits aufgenommen. In Spitzenzeiten saßen bei Martin 28 Jungtiere gleichzeitig. Was nach niedlichem Ehrenamt klingt, ist eher Kinderintensivstation in der eigenen Bude. „Du musst die Mutter ersetzen“, sagt er. „Also füttern, wärmen, putzen, wiegen, Medikamente geben und, so unromantisch es klingt, Verdauung und Urinabsatz stimulieren.“
Eichhörnchen sind keine kleinen Zerstörer, die sich wie Marder durchs Haus fräsen. Wenn sie Unterschlupf suchen, sitzen sie meist nah am Eingang und richten deutlich weniger Chaos an. Und Vogelnester plündern sie eher nicht. In äußerster Futternot kann das passieren, meist decken sie ihren tierischen Bedarf aber über Insekten oder Maden.
Hilfe, wenn es nötig ist
Wer ein junges Eichhörnchen findet, sollte nicht sofort in gut gemeinten Aktionismus verfallen. Erst beobachten, ob die Mutter zurückkommt. Passiert nach etwa einer halben Stunde nichts, das Tier vorsichtig mit Handtuch, Pulli oder Handschuhen sichern, warm und ruhig in einen Karton setzen und den Verein oder eine andere Wildtierstation kontaktieren. Danach lohnt sich der Blick in die Umgebung, oft kommen Geschwister nach. „Ein Eichhörnchen kriegt meistens vier, fünf Jungtiere“, sagt Hübner.
Auch sehr wichtig: Nicht jedes Jungtier braucht Rettung. Rehkitze und junge Hasen liegen oft bewusst allein, weil die Mutter nur ein- oder zweimal am Tag zum Säugen kommt. Manchmal landen auch andere Wildtiere bei ihm. Füchse und Wildkatzen. Igel sind ohnehin Dauerthema, und auch bei Waschbären klingelt gelegentlich das Telefon. Die machen sich als flauschige Einbrecher hervorragend in Instagram-Reels, als amerikanische Staatsbürger sind sie aber eine invasive Art und bringen das heimische Ökosystem durcheinander. Deshalb dürfen sie nicht wieder ausgewildert werden.
Bei einem Fund müssen Veterinäramt, Artenschutzbehörde oder geeignete Tierparks kontaktiert werden. Fun Fact mit sehr großem Aber: Theoretisch darf man Waschbären auch als Haustiere behalten. Empfehlenswert ist das absolut nicht. Waschbären sind (leider) keine Kuscheltiere, sondern Wildtiere mit Zähnen, Parasiten und Krankheitsrisiken.
Sichtbar bei Vest Future
Dass der Verein bei Vest Future mitmacht, passt perfekt. Mit dem Spendenprojekt der Sparkasse Vest bekommen Vereine und gemeinnützige Organisationen aus der Region Sichtbarkeit und Unterstützung für konkrete Vorhaben. Bei Martin Hübner geht es um eine neue Auswilderungsvoliere. Ein Eichhörnchen gesund zu bekommen, ist nur die halbe Miete. Danach muss es auch wieder draußen klarkommen. Klettern, springen, Futter suchen, Abstand halten.