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Wie auf einem Raumschiff
Foto: Volker Beushausen

Wie auf einem Raumschiff

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Jennifer von Glahn

Wer die Produktionshalle von Wirtz Druck betritt, spürt sofort, dass hier Zukunft entsteht.

Zwischen Paletten und Papierbahnen steht eine Maschine, die alles verändert hat: die Landa S10P. Von ihr gibt es weltweit gerade einmal fünfzig Stück. Eine davon steht in Datteln – und ihre Präsenz markiert für das Familienunternehmen den Übergang in ein neues Zeitalter. Denn was früher reine Handwerkskunst war, ist heute Hightech. Die rund 30 Meter lange Druckmaschine sieht aus wie ein Raumschiff. Eine riesige futuristische Anzeigenwand stellt dar, was im Innern passiert. Während die Basis der Maschine noch auf einem klassischen Offsetprinzip beruht, beginnt die Innovation im oberen Teil. Dort kommen wasserbasierte Nanopartikel zum Einsatz, die jede Druckfläche individuell einfärben können.

Der Clou: Jeder einzelne Bogen kann anders aussehen, und das im Großformat von 105 mal 75 Zentimetern und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 6.500 Bögen pro Stunde. „Ein Ausdruck ist so groß wie eine ganze Palette“, sagt Geschäftsführer Mark Schmidt. „Der Anschaffungspreis liegt bei über drei Millionen Euro“. Diese Technologie ist vor allem für das Kerngeschäft des Unternehmens ein Quantensprung. Wirtz Druck produziert Self-Mailer, personalisiert Sendungen, die ohne Umschlag direkt in den Briefkasten gelangen. 60 Millionen davon verlassen jedes Jahr das Werk.

Neue Technik, neue Jobs

Rund 60 Menschen arbeiten heute in einer Struktur, die zunehmend von digitalem Know-how geprägt ist. Wo früher vor allem handwerkliche Routine gefragt war, wird nun Prozessverständnis, Datenkompetenz und kreatives Denken benötigt. Gleichzeitig setzt Wirtz Druck auf eine moderne Arbeitskultur. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, transparente Kommunikation und Gesundheitsangebote. „Die Zukunft der Arbeit zeigt sich hier nicht nur in der Produktion, sondern auch im Miteinander“, so Schmidt.

Mark Schmidt, Inhaber
Über drei Millionen Euro Anschaffungskosten: Die Druckmaschine
LandaS10P ist ein Hightech-Gerät. Die Bedienoberfläche sieht aus, wie die Kommando-Station in einem Raumschiff. Foto: Volker Beushausen

Ein weiterer Baustein ist die künstliche Intelligenz. Wirtz hat eine eigene Stabsstelle für KI geschaffen. Zwei Mitarbeitende des Unternehmens haben ein internes Start-up aufgebaut, das unter anderem einen KI-Webshop entwickelt hat. Kunden können online per Smartphone ein Bild hochladen und daraus großformatige Motive generieren lassen, die auf der Landa gestochen scharf gedruckt werden. Was früher spezialisierte Grafikarbeit war, wird heute auf Knopfdruck möglich. Der millionenteure Drucker arbeitet überraschend nachhaltig. „Die Maschine benötigt weder Aluminium-Druckplatten noch große Mengen chemischer Substanzen. Sie verbraucht vergleichsweise wenig Strom und nutzt wasserbasierte Farben sowie Systeme zur Luft- und Wasserkühlung, die eher an Flugzeugtechnik erinnern als an eine Druckstraße“, erklärt Schmidt. Die Zukunft der Arbeit entsteht hier Bogen für Bogen.

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